Neue Erkenntnisse dürfen zu neuen Entscheidungen führen
Warum das Entscheiden für neue Entscheidungen manchmal so schwerfällt
„Neue Erkenntnisse dürfen zu neuen Entscheidungen führen.“
Klingt erst mal logisch, fast selbstverständlich - in der Anwendung hapert es dann aber doch immer wieder.
In meinem Unterricht als Dozentin in der AEVO / im AdA-Schein geht es unter anderem darum, angehenden Ausbildern zu vermitteln, dass sie ihren Auszubildenden lebenslanges Lernen nicht nur erklären, sondern auch schmackhaft machen sollen.
Jeder Meister hat diesen Gedanken also ziemlich sicher schon mindestens einmal in seinem Meisterkurs gehört, besprochen oder sogar selbst aufgeschrieben: Lernen hört nicht mit der Ausbildung auf.
Im Betriebsalltag ist genau das völlig normal.
- Neue Maschinen
- Neue Anwendungstechniken
- Innovative Materialien
- Andere Verarbeitungsmöglichkeiten
Im Handwerk wird ständig dazugelernt, niemand stellt das grundsätzlich infrage. Schließlich gilt es, fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben und mit der Entwicklung Schritt zu halten.
Auch jeder Senior hat genau diese Entwicklung durchlaufen.
Neue Erkenntnisse in der Schweißtechnik?
Neue Materialien, die leichter zu verarbeiten sind?
Neue Werkzeuge, die Arbeitsschritte verändern?
Wurden geprüft, bewertet und bei Sinnhaftigkeit in den Betrieb übernommen.
Fachlicher Kompetenzgewinn wurde selten als Angriff verstanden, er gehörte einfach dazu.
Spannend wird es aber an einer anderen Stelle, nämlich dann, wenn Junior und Senior gleichzeitig im Betrieb tätig sind.
Junior ist am Ball -er beobachtet, liest und vergleicht.
Er holt sich Informationen, manchmal aus der ganzen Welt - und dann kommt er mit Ideen in den Betrieb.
Vielleicht geht es nicht um eine neue Maschine, nicht um ein anderes Material, nicht um eine technische Anwendung.
Sondern um Prozesse, Arbeitsabläufe, Software, Zuständigkeiten, Kommunikation oder auch Führung.
Und plötzlich wird es schwierig.
Plötzlich führen neue Erkenntnisse nicht mehr selbstverständlich zu neuen Entscheidungen.
Plötzlich wird diskutiert, gebremst, infrage gestellt., dabei verändert sich auch hier die Welt längst weiter.
Die Art, wie Menschen heute ihren Arbeitsplatz erleben möchten, hat sich verändert. Mitarbeitende wollen mitdenken, mitgestalten, ernst genommen werden. Sie wollen nicht nur funktionieren, sondern verstehen, wofür sie ihre Arbeit machen und welchen Platz sie im Betrieb haben.
Genau an dieser Stelle entstehen im Generationenwechsel häufig Irritationen.
Nicht, weil der Senior grundsätzlich gegen Entwicklung ist, sondern weil manche Veränderungen nicht nur den Betrieb betreffen, sondern auch das eigene Selbstverständnis.
- Die eigene Rolle.
- Die eigene Erfahrung.
- Die eigene Art, ein Unternehmen über Jahre oder Jahrzehnte geführt zu haben.
Deshalb reicht es hier nicht, einfach zu sagen: „Das ist jetzt halt modern.“
Oder: „Das muss sich ändern.“
Hier braucht es Gespräche, die beides können:
Das Bisherige würdigen und trotzdem Raum für neue Entscheidungen lassen.
Denn eine neue Entscheidung macht die alte nicht automatisch falsch.
Manchmal war sie genau richtig für die damalige Zeit.
Und manchmal ist genau deshalb jetzt eine neue Entscheidung dran.
Weil neue Erkenntnisse zu neuen Entscheidungen führen dürfen.
